Was uns sesshaft macht

Ja, verehrte BeerKeeper OM LeserInnen, in seinem Buch geht es um das Bier! Professor Reichholf hat viele wunderbare Bücher geschrieben. So klug und zugleich so gut lesbar. Zu unseren Favoriten gehören: „Der Ursprung der Schönheit: Darwins größtes Dilemma„, „Rabenschwarze Intelligenz: Was wir von Krähen lernen können“ und natürlich „Warum die Menschen sesshaft wurden„, dem Werk in dem es um das Bier geht.  

Der Biersepp hat bereits 2008 ein Interview mit Reichholf geführt. Der Professor ist schon seit Jahren emeritiert und hat sich zurückgezogen. Seine großartigen Werke sind aktuell und bereiten nach wie vor viel Freude.

Auch wenn wir manchmal gern ein Stehseidel trinken – Für ein gutes Bier nehmen wir gerne Platz.

Üblicher Weise erzeugen Sachbücher, selbst wenn sie ausgezeichnet geschrieben und „lesbar“ sind, eine eher bescheidene Resonanz. Der Münchener Evolutionsbiologen Josef H. Reichholf  erreicht mit seinen Werken ein weit größeres Publikum. Sein Werk „Warum die Menschen Sesshaft wurden“ löste schon bei seinem Erscheinen eine Lawine an großräumigen Berichten und Interviews in den Medien (unter anderem Die Welt, 3sat, Frankfurter Rundschau, Neue Zürcher Zeitung und Kronen Zeitung) aus. Schuld daran war ohne jeden Zweifel eine ganz besondere unter den zahlreichen gut begründeten und nachvollziehbaren Überlegungen:

Am Anfang war das Bier

Die Nutzung von Getreide hing somit anfänglich nicht wesentlich mit der Ernährung zusammen. Die gesammelten Körner dienten der Erzeugung von Bier.“ (Reichholf, Seite 258). Auf diese These stürzten sich die Medien mit einem völlig unerwarteten Riesen-Interesse. Reichholf auf Welt Online anno 2008: „[…] der Pflanzenanbau brachte keineswegs sofort einen nennenswerten Überlebensvorteil. Die Erträge waren anfangs viel zu gering, und das Bearbeiten des Bodens war aufwendig“. In der Neuen Zürcher Zeitung: „Man kann ja schon mit wenigen Körnern Bier brauen, ohne die Spelzen vom Korn trennen zu müssen, die alkoholische Gärung entsteht von selbst. Auch erklärt dieser Gebrauch von Körnern die Tatsache, dass die ersten archäologischen Funde von Getreidekörnern um viele Hunderte, ja Tausende von Jahren älter sind als der erste Nachweis von Getreideanbau – und zwar in allen Kulturen und bei allen Getreidesorten.

Das Bier hat uns also sesshaft gemacht, Und, geben wir es ruhig zu: Das kann es heute immer noch.

Der Biersepp sprach 2008 mit Professor Josef H. Reichholf.

Der Biersepp Haben Sie einen so großes Medienecho auf Ihr jüngstes Buch erwartet?

Reichholf Keineswegs. Obwohl ich das Buch mit Begeisterung geschrieben, es mir also nicht abgerungen habe. Mit einer so begeisterten Aufnahme war nicht zu rechnen.

Der Biersepp Ist „Das Bier“ an dem enormen Interesse schuld?

Reichholf Ja, das ist uns mittlerweile vollends klar geworden. Dort wo ich herkomme, in Niederbayern ist Bier ein wesentlicher Teil der Alltagskultur. So wie auch in Oberösterreich, ein Land mit dem ich sehr verbunden bin.

Der Biersepp Warum, glauben Sie, „zieht“ das Bier so stark?

Reichholf Bier bringt die Menschen zusammen. Nehmen Sie nur die Biergärten. Dort gehen seit jeher alle Schichten hin. In Bayern war das schon zu Königszeiten so. Selbst die Mitglieder der königlichen Familie haben sich im Biergarten gerne unter das Volk gemischt.

Der Biersepp Sind Sie ein Philosoph?

Reichholf (lacht) Ihre Frage amüsiert mich. Aber wenn ich darüber nachdenke – Im ursprünglichen Sinn des Begriffes, die Liebe zur Weisheit, zum Wissen; das weiter gefasste Denken, die interdisziplinäre Arbeit, dann freut es mich, wenn Sie meine Arbeit als philosophisch betrachten.

Der Biersepp Trinken Sie selbst gelegentlich gerne ein Bier?

Reichholf Oh ja – aber es kommt immer auf die Umstände an. An einem heißen Sommertag zum Beispiel genieße ich gerne ein kühles Bier.

Der Biersepp Welches Bier mögen Sie?

Reichholf Ich neige zu dunklem Bier. In München habe ich gerne das Paulaner. Auch Weißbier mag ich.

Der Biersepp Verschiedene Vorlieben, also.

Reichholf Mir liegt die Vielfalt besonders am Herzen. Immer, wenn ich irgendwo hinkomme, möchte ich das bodenständige Bier trinken. Mich interessiert das Bier „von dort“, nicht jenes, welches überall verfügbar ist.

Der Biersepp Herr Professor, Sie sprechen uns aus der Seele.