Markus Mayrhofer

Doktor Markus Mayrhofer, Honorary BeerKeeper –  ist Keeper Of The Month. Auch (aber nicht nur!) stellvertretend für den Verein Freunde der Leondinger Braukunst. Aus Anlass von 20 Jahre Michaeli-Bräu bringen wir eine Story, die Der Biersepp verfasst hat. 

Man darf auch einmal zufrieden sein

Das BeerKeeper online Magazin bringt die Geschichte zweier Vereine, eines Präsidenten, Markus Mayrhofer, und vieler Bierspezialitäten.

Versetzen wir uns in die dunklen Tiefen des vorigen Jahrtausends. Das „Eines-für-Alle-Denken“, Produktionskosten-Optimierung und Markenwerbung herrschten in weiten Teilen der Bierlandschaft. Es sah fast so aus, als ginge die österreichische Bierkultur zugrunde. Die Biervielfalt lag schon nahezu im Koma. Mayrhofer: „Ein Zwickelbier käuflich erwerben zu können zählte zu den bierigen Highlights, Hobbybrauer waren noch zählbar.“ Das alles ist noch gar nicht so lange her; wir sprechen nicht von den Neunzehnsiebzigern, sondern vom Jahr 1995.

Jammern ist ein Teil unserer Kommunikationskultur. Doch finden sich glücklicherweise immer ein paar „Machatscheks“. Zu jenen Menschen, die lieber etwas tun, anstatt nur zu klagen, gehört auch das vierblättrige Kleeblatt aus dem oberösterreichischen Leonding. Die vier Freunde saßen, wie man das gottseidank so tut, bei einem Bier beisammen und redeten. Darüber, dass es nicht so furchtbar schwer sein kann, selber ein Bier zu brauen. Bald waren zwei Bücher angeschafft und am 13. Mai wurde der erste Sud angestellt. Und siehe da: Es war trinkbar. Selbst wenn sich Mayrhofer beeilt zu betonen, dass das Erstbier „den heutigen Qualitätsansprüchen nicht mehr gerecht werden würde“. Heute brauen er und seine Leute Spezialitäten, die ganz oben mithalten können. Der Brauverein hat zum Beispiel bei einer höchst anspruchsvollen Verkostung holzfassgereifter Biere, die Birgit Rieber und Der Biersepp in Freistadt organisiert hatten, bestens mitgehalten und „Gold“ eingestreift. Zudem heimste der Michaeli Bräu dreimal Bronze, viermal Silber und einmal Gold bei den Staatsmeisterschaften der Klein- und Hausbrauer ein, die seit Jahren von der BierIG veranstaltet werden. Die vier Herren aus dem Gründungsjahr stehen immer noch als „Zentrale Figuren“ dem Verein zur Verfügung. Sie bekleiden wichtige Positionen in beiden Vereinen.

Die Zwei-Vereine-Konstruktion

1995 ist also das Geburtsjahr der „Brauerei Michaeli-Bräu“ zu Leonding. Das kleine Sudwerk wurde schon im darauffolgenden Jahr auf ganze 70 Liter (Liter, nicht hl!) Ausschlagmenge erweitert. 1997 wurde der Verein der „Freunde der Leondinger Braukunst“ gegründet. Seit 2010 gibt es die “Zwei-Vereine-Konstruktion“. Ein Verein braut, er hat 14 Mitlieder. 13 Männer und eine Frau. Ein zweiter, der ältere, fördert nun das Ganze, seine Mitglieder dürfen Bier kaufen. Der Zweite Verein umfasst 200 Personen. „Wir werden die Mitgliederzahl nicht erweitern. Man darf auch einmal zufrieden sein“. Die Ausschlagmenge von 150 bis 300 Liter (von 2000 bis 2006 wurde in dieser Dimension gebraut) reichte gerade einmal dafür, dass die Nachfrage der zweihundert – einigermaßen – befriedigt wird.

Ebenfalls 1997 gewann man erstmals den Pionier des deutschsprachigen Bier-Journalismus, Conrad Seidl, zur Durchführung einer Bockbierverkostung. Der Bierpapst brachte damals die Notizen aus der Vereinsveranstaltung in der Tageszeitung Der Standard. So wurde der Michaeli Bräu rasch im ganzen Land bekannt. Zur Bekanntheit und zum Erscheinungsbild hatte auch eine ORF- Österreichbild-Sendung beitragen, das unter dem Titel „Kühle Blonde – ein Land und sein Bier“ im Oktober 2002 ausgestrahlt wurde und mehr als eine halbe Million Österreicher erreichen soll.

Jüngste Vergangenheit und nächste Zukunft

Anfangs hat man sich vor allem dem betonten Brauen heimischer Stilklassiker, wie eben dem Zwickel, gewidmet. Seit 2010 geht das Ganze in Richtung einer Sortimentes-Verbreiterung. Wie überall in der Bierwelt, wurde auch der Michaeli Bräu vom Craft-Fieber angesteckt. Internationale Stile wie IPA oder Stout werden dort geschmackvoll und gekonnt gepflegt.

Zudem wurde 2011 das Brauhaus sowie das Vereinslokal „Schneewittchen“ aus dem rustikalen Stadel in eine winterfeste Unterkunft übersiedelt. Auch will man die Abläufe mithilfe des „Großen“ Vereines vereinfachen und den Brauverein technisch unterstützen. Mayrhofer: „Wir vierzehn sind wie die Freiwillige Feuerwehr. Fähigkeiten, Talente und handwerkliches Geschick sind unter uns gut gestreut. Gemeinsam können wir fast alles“. So hat einer der Michaeli Jünger eine App gebaut, die es dem Vorsitzenden ermöglicht, zu jeder Zeit nachzusehen „wie es meinen Tanks geht.“ Das Team ist Mayrhofer besonders wichtig. Auch wenn es kein Zufall ist, dass gerade er den Verein präsidiert – auch das Brauhaus ist im alten Bauernhof seiner Eltern untergebracht.

Die Brauanlage wurde 2006 erneut erweitert. Zurzeit können an einem Brautag bis zu vier Sude parallel eingebraut werden. Die Ausschlagmengen liegen bei 900, 300 und 40 Liter (falls die 40 Liter 2 x hintereinander eingemaischt werden). Das Jungbier kann in den Tanks (2 x 500, 2 x 650, 1 x 300 Liter, 1 x 50 Liter) untergebracht werden.

Nur für Mitglieder – und es wird niemand aufgenommen

Machen Sie sich keine Hoffnungen, verehrte LeserInnen des BeerKeeper online Magazins. An das Bier des Michaeli Bräu kommen Sie nicht heran. Denn das gute Gebräu wird nur an die Mitglieder des Vereines (In 2-Liter-Flaschen und in limitierter Menge) abgegeben. Der Verein nimmt zurzeit keine neuen Mitglieder auf. Nur jeden ersten Freitag im Monat besteht für die Mitglieder die Möglichkeit, ihr Bier abzuholen.

Aus Anlass des 20 Jahre Jubiläums Michaeli Bräu hat Birgit Rieber, BeerKeeper Ausbildnerin, dem Vereinspräsidenten auch (aber nicht nur!) stellvertretend für den Verein die Urkunde zur hohen Würde des Honorary BeerKeeper überreicht

150521_mayrhofer_Honorary KEPR
Michaeli Bräu – Bierlisten 2013 und 2014

Im Vorjahr (2013) gab es eine beachtliche Bierliste:
• Zwickl
• Zwei Mal Pils (gehopft mit Saphir bzw. Cascade)
• Weizen
• IPA (SHIPA Cascade)
• Böhmisches Bier
• Leoness Dry Stout
• Festmichl
• Bock
• Darüber hinaus wurden im Probesudwerk 2013 die folgenden Biere erzeugt:
• „Trappist“ de Leonding
• Chocolate Porter
• Barley Wine Ale (Zwei verschiedene)
• Amarillo-SHIPA
• SHIPA (gehopft mit Nelson Sauvin)
• Willamette Blonde Ale
• Golding-SHIPA
• Citra-Pils
Haltbare Stock-Biere aus den vergangenen Jahren:
• Barley-Wine-Ales (3 verschiedene)
• Sherry-Bock
• Porter
2014 stehen bereits zu Buche:
• Zwickl
• Saphir-Pils
• American Stout
• Amarillo-Weißbier
• Böhmisches Bier
• Dunkle Weiße
• Sherry-Bock 2013

Weitere Informationen HIER