Kein Pale Ale von Egger

Bernhard Prosser und Kurt Ziegleder sitzen einer Journalistenriege gegenüber. Tiefenentspannt. Kein Wunder, denn in ihrer Jahrespressekonferenz von Egger Bier stellen sie die Halbjahreszahlen des gesamtösterreichischen Bierausstoßes (ein kleines Minus) ihren eigenen gegenüber. Die Brauerei erwirtschaftete nämlich Von Jänner bis Juni ein beachtliches Plus, exakt sind das

6,8 % mehr Bier im Vergleich zum Vorjahr – noch ohne die Zahlen aus dem heißen Sommer. Vergleicht man die Zeiträume von Jänner bis August kommt man auf ein deutlich zweistelliges Plus für die Privatbrauerei aus dem niederösterreichischen Unterradlberg. 2015 wird man in Summe rund 88o.ooo Hektoliter Bierausstoß erreichen, im kommenden Jahr will man die 900.000er Marke „deutlich“ knacken. Der Anteil der Eigenmarke „Egger Bier“ liegt bei rund 330.000 Hektoliter, der Rest sind Handelsmarken. Auch das alkoholfreie Bier „Egger Zisch“ hat sich gut entwickelt. Um es weiter zu fördern ist Egger pointiert in das Sportsponsoring eingestiegen, der „Erfolgsbiathlet“ (schöne Wortschöpfung, nicht wahr?) Dominik Landertinger wird von der Biermarke kräftig unterstützt.

„Ein Verkäufer, der uns nix gekostet hat und der bei keiner Gewerkschaft ist.“

Prosser spricht natürlich vom heißen Sommer 2015, dessen Beitrag zu den guten Absatzzahlen von Egger Bier nicht unterschätzt werden darf. Doch auch der Export entwickelt sich gut, vor allem, wenn aus fernen Ländern der Ruf nach einem Bier laut wird, das „Nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde“. Egger Bier habe das beste Preis-Leistungsverhältnis schwärmt der Marketing-Vorstand. Demnach würde die für österreichische Verhältnisse hohe Exportquote von 25 % auch nicht überraschen.

Investments

Bereits fertig ist ein vollautomatisches Hochregallager mit 20.000 Palettenplätzen, auch in die Verpackungs-Fertigung wurde investiert, weil man auf diese Weise den stark unterschiedlichen Anforderungen der Kunden gerecht werde. Auch jenen der Handelsmarken und Importeure. 2016 wird eine neue Füllerei gebaut, das Investvolumen dafür beträgt rund 6 Millionen Euro. Diese Anlage werde in der Brauerei stehen, man werde dort auch AF-Getränke abfüllen. Gemeinsam mit Radlberger und anderen AF-Eigenmarken verzeichnet das Unternehmen einen Getränke-Jahres-Ausstoß von rund 2,8 Millionen Hektolitern.

Kein Pale Ale unter Egger Bier

Bodenständig und klar zu sein, gehöre zu  den großen Stärken der Privatbrauerei. Ziegleder arbeitet schon 35 Jahre, Prosser bereits 20 Jahre im Unternehmen. Auch das zeige Kontinuität und Charakterstärke. Auf die gegenwärtigen Bewegungen bei den Bier-Weltkonzernen angesprochen antwortet Prosser: „Egger Bier ist unverkäuflich. Und gerade in solchen Zeiten sucht der Konsument nach Sicherheit“. ‚Spannende Zeiten‘ am Weltbiermarkt helfen also eher einer Brauerei mit Stabilität und einer stabilen Aufwärtsbewegung, wie sie Egger zeigt. Der Craft Bier Boom sei sehr zu begrüßen, so Prosser: „Jedes gute Bier, das auf den Markt kommt, hilft dem ganzen Sektor“. Die Marke Egger will sich aber punkto Sortimentspolitik treu bleiben. Das eigene Profil zu zeigen habe schließlich auch zu der erstklassigen Absatz- (samt parallel laufender Umsatz-) entwicklung geführt. Es werde von Egger keine Defensivstrategien im Sortiment geben, so Prosser. Aus Unterradlberg müssen wir also kein Pseudo-Craft-Sortiment erwarten, wie es zum Beispiel von so mancher deutschen „Fernsehbier“-Marke zurzeit gelaunched wird. Prosser: „Es wird kein Pale Ale von Egger Bier geben“.