Im Benin

Das BeerKeeper Online Magazin bringt ab sofort in unregelmäßiger Folge Auszüge aus dem Reisetagebuch des Heinrich „Heiner“ Rieber. Er  entstammt einer schwäbischen Brauersfamilie, ist Brauer und Mälzer. Sein Handwerk übt er bei der Camba Bavaria in Truchtlaching im Chiemgau aus. Zumindest dann, wenn er nicht im Auftrag der BrauKon in der Welt umherreist und Brauereianlagen in Betrieb nimmt. Von diesem Teil seiner Arbeit stammen seine Reise- und Erlebnisberichte.

Afrika, Benin, Cotonou

Ja, auch in Afrika wird Bier getrunken und hergestellt. Gar nicht so wenig und auch nicht nur aus Bananen oder Hirse gebraut. Meine Reise führt mich nach Cotonou. Die Infos aus dem Net lesen sich so: 690.000 Einwohner, ein Hauptort vom Benin. Der Name kommt von Ku-Tonu und bedeutet soviel wie Mündung des Todesflusses. Die Amtssprache ist Französisch. Eine Sprache, die ich nicht wirklich beherrsche. Von Ausflügen in die Stadt wird mir dringend abgeraten. Ohne meinen Fahrer – ich werde einen eigenen Fahrer haben! – soll ich das Haus keinesfalls verlassen.

Ankunft am Flughafen: Ich muss ein Formular ausfüllen. Französisch oder schlechtes Englisch. Keine Ahnung, was sie von mir wollen. Ein freundlicher Beamter will mir helfen. Sein Englisch ist ungefähr so gut, wie jenes auf dem Formular vor mir. Es gelingt uns – mit vereinten Kräften. Ich kann weiter zur Passkontrolle. Oh Schreck: Mein Pass wird einbehalten. Ich kann ihn, so erfahre ich nach mehrfachem Insistieren, später bei der Einwanderungsbehörde abholen. Überall wuselt es von Afrikanern die mir mit ihren Gepäckwägen beim Transport meines Koffers helfen wollen. Vor dem Flughafen wartet der Kontaktmann der hiesigen Brauerei, für die ich die nächsten Tage arbeiten darf.

Ich weiß nicht viel über das Unternehmen, bei dem ich landen werde. Der Weg dorthin ist abenteuerlich. Ich bin froh, dass mein Fahrer die Sitten kennt und mich heil durch das Gewimmel bringt. Motorräder dienen hier zum Transport von haufenweise Benzinkanistern (Ich habe auf dem kurzen Stück eines gesehen, das ganze 10 Stück geladen hat) oder einer ganzen Familie. Und Familien sind groß, in Afrika. Alte Kombis werden zu überladenen Obsttransportern umfunktioniert, LKWs sind so beladen, dass sich die Achsen durchbiegen. Überholt wird links und rechts, oben und unten. Einfach kurz gehupt und vorbei.

In der Brauerei funktioniert alles ein bisschen besser, den täglichen Stromausfällen und den leichten Kommunikationsproblemen mit den vorwiegend indischen Arbeitern zum Trotz. Meine Mitstreiter, wir sind zwei Inbetriebnehmer und ein Programmierer, können mit dem Brauen beginnen. Alles läuft wie geschmiert.

Viele der besten Craftbrewer der Welt brauen ihre Biere auf unseren BrauKon Anlagen. Wir liefern technische Voraussetzungen für gute Qualität. Ob diese dann entsteht, liegt in den Händen jener, welche die Anlagen benutzen. Nicht jedes Bier das dabei entsteht, ist „Craftbier“. Aber: Auch gutes Lagerbier will aus einer ordentlichen Anlage kommen.