Craftbier in Dosen

Die Bierdose feiert ein Comeback. Neu ist, dass auch Bierspezialitäten, etwa Craft Biere – und die teilweise in etwas kleineren Auflagen auf Dosen gezogen werden. Die Gebinde sind oft bunt bis „verrückt“ gestaltet, zieren so die Regale der Craft Beer Shops. Auch dieser Trend kommt aus den USA, hat sich schnell in Großbritannien etabliert und schwappt nun, langsam aber stetig, in den deutschsprachigen Raum. 

Dosenbier hat einen durchwachsenen Ruf. Das kommt auch daher, dass Billigstbier oft nur über Dosen verramscht wird. Preisaggressiv werden Zweit- und Drittmarken als Schüttbier vermarktet. Das hat aber nichts mit der Qualität der Gefäße zu tun. Bier aus der Dose schmeckt nicht schlechter, als aus anderen Gebinden – vorausgesetzt man zapft es ins gleiche Glas. Das direkte Trinken aus der Dose ist hygienisch fragwürdig, wenn die Dose ungeschützt im Regal gestanden ist. Aber dafür gibt es jetzt Abhilfe. Hochwertiges Dosenbier wird vermehrt mit einem Hygienedeckel ausgeliefert, so dass man ohne Bedenken aus der Dose trinken kann.

Hat die Dose Vorteile?

Durchaus. Und die sind gar nicht klein. Zum Beispiel:

  • Gasdicht. Die Dose ist dicht und daher findet kein Austausch oder Gas-Einfluss, etwa von Sauerstoff aus. Das Bier bleibt frisch.
  • Lichtdicht. Vor allem die vom Hopfen ins Bier gebrachten Inhaltsstoffe und Aromen können durch Lichteinfluss sehr schnell „kippen“. Das verbracht unangenehme Fehltöne im Bier, etwa käsigen Geschmack. Hier hat die Dose eindeutig Vorteil gegenüber der Flasche.
  • Große Fläche. Craft Beer Marken gestalten ihre Produkte gerne etwas „anders“ bis echt „crazy“.
  • Leicht und gut stapelbar. Die Handling- und Logistik- Vorteile der Dose liegen im Wortsinn „Auf der Hand“.
  • Bruchsicher. Auch für den Outdoor-Einsatz ist die Dose unschlagbar. Sie hat selbst fast kein Gewicht und kann dann, flachgetreten, problemlos mitgenommen und ordentlich entsorgt werden.

Hat die Dose Nachteile?

  • Image. Vor allem die Haltung zur Dose schadet dem Gebinde.  So wurden die ausgezeichneten Biere der Bevog von vielen Gastro-Betrieben ausgelastet, seit sie nicht mehr in der Flasche lieferbar sind. Das Argument der Wirtinnen: „Wir stellen keine Dose auf den Tisch. Unsere Gäste schätzen das nicht.“ BeerKeeper mein dazu: Auch diese Haltung wird sich mit der Zeit etwas aufweichen.
  • Kleinstauflagen sind nicht wirtschaftlich. Zurzeit gibt es kaum Füllstraßen, die kleinere Mengen wirtschaftlich erscheinen lassen. Auch das Leergebinde ist erst ab größeren Mengen wirtschaftlich.  Dosenbier braucht hohe „Grund-Auflagen“.

Welche Craft Biere gibt es in der Dose?

Im deutschsprachigen Raum nimmt das Ganze erst seinen Anfang. Bevog und Rieder Bier in Österreich, Stone Brewing (Berlin) in Deutschland. Dazu natürlich die zahlreichen Import-Dosen, vor allem aus den USA und aus Großbritannien.

Die Dose als „Nano-KEG“ bietet also weitaus mehr Vorteile als Nachteile. Das Material ist gut recyclebar. (Craft-) Bier aus der Dose – warum nicht?

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PS: Wer es genau wissen will:

Was passiert, wenn UV-Licht auf Bier trifft?

Eine Seitengruppe der Iso- Alphasäure reagiert mit schwefelhaltigen Würze-Inhaltsstoffen zu 3-Methyl-2-Buten-1-Thiol. Ein unangenehmer Fehlton, für den der  Geschmacks-Schwellenwert obendrein recht niedrig ist.