DLG mit Craft-Bier-Test

Ein Jahr haben wir getüftelt – gemeinsam mit Weihenstephan und VLB Berlin“ DLG Bier-Ansprechpartner Thomas Burkhardt konzidiert, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen ist, am DLG Institut nun auch ein Craft-Bier-Gütesiegel einzuführen. Natürlich wurde auch überlegt, alle Craft Bier Stile (viele davon entsprechen ja nicht dem berühmten „Deutschen Reinheitsgebot“) zu prüfen, in Anbetracht des dräuenden Jubelfestes wurde dies jedoch verworfen. „Wir wollten gerade zum 500sten nicht ausscheren„. Der Unterschied zur bisherigen DLG Bier-Prüfung?

Bei der klassischen Bier-Qualitätsprüfung stehe vor allem die Geschmacksstabilität im Vordergrund, während bei der Craft-Bier-Prüfung speziell die Charakteristik des Bieres gecheckt werden wird. Diese werde auch an Messdaten, zum Beispiel an der „Bitterstoffbestimmung“ festgemacht. Während bei der Prüfung klassischer Biere zweimal Proben eingeschickt werden müssen (Im Abstand von 4 Wochen, nach 6 Wochen werden beide Einreichungen gemeinsam verkostet), reicht für die Craft Bier Prüfung eine Einsendung.

Kritische Kommentare in sozialen Netzen.

Mit Bekanntwerden des DLG Craft-Bier-Tests gab es in sozialen Netzwerken eine Vielzahl kritischer Stimmen, insbesondere die Verlinkung mit dem Reinheitsgebot (Und damit der Ausschluss vieler wichtiger Craft-Bier-Stile) hat bekannte ProtagonistInnen der „craftigen“ Szene geradezu amüsiert. Von „unnötigem, falschem Zeichen“ aber auch von „verspätetem Aprilscherz“ war die Rede. Doch die alte Dame unter den Biermedaillen hat andere Hintergründe, als zum Beispiel Bier-Wettbewerbe.

Qualitätsprüfung ist ungleich Wettbewerb

Die DLG Goldmedaille wird von manchen Stimmen als „inflationär“ betrachtet, weil man Goldmedaille und Goldmedaille gleichsetzt. Doch DLG Gold hat, als Ergebnis einer Qualitätsprüfung, eine ganz andere Bedeutung, als zum Beispiel Gold beim European Beer Star. Letzteres ist eine Medaille im olympischen Sinn. Der Beer Star ist ein Wettbewerb, es gibt dort einen Sieger, einen Zweitplatzierten etc. Bei DLG (einer Qualitätsprüfung) bekommt jedes fehlerfreie Bier Gold. Es könnte also theoretisch bei 100 Einsendungen 100 mal DLG Gold geben. Bei einem Contest, wie dem European Beer Star, ist das nicht möglich.

Schaut her, wir können auch „fehlerferei!“

Man kann demnach die Platzierung von DLG Goldmedaillen auf Werbeplakaten von Brauereien mit einem gewissen Amusement betrachten. Denn sie sagen nichts anderes als: „Schaut her, wir sind dazu imstande, auch fehlerfreie Bier zu brauen.“ (Diese verborgene Aussage trifft besonders dann zu, wenn die werbende Brauerei auch Einreichungen vorgenommen hat, die nicht mit Gold „prämiert“ worden sind).

Die DLG hat bereits 40 Jahre lang Erfahrung mit Bier-Checks. Die (klassische) Prüfung soll vor allem den Produzenten eine Unterstützung bei der Qualitätssicherung bieten. Wer allerdings bei DLG kein Gold bekommt – der hat ein echtes Qualitätsproblem. Zum „Trost“ kommt allerdings ein detaillierter Prüfbericht mit Anregungen, an welchen „Schrauben gedreht“ werden sollte, damit die Fehler ausgemerzt werden können. Für KonsumentInnen wäre eine komplette Liste der Einreichungen und Medaillen interessant. Speziell um den Einkauf von Bieren zu vermeiden, die mit Silber, oder Bronze „prämiert“ oder – horribile dictu – gar nicht „ausgezeichnet“ wurden.

Günstigere Verkostungsgebühren

Weil für Craft-Biere nur eine Einreichung und eine „einfache“ Prüfung vorgesehen ist sind auch für einen solchen Test nur  495,- Euro Einreichgebühren zu berappen, klassische Biere kosten 829,- Euro Prüfgebühr je Sorte. Neu für beide Prüfungen: Ab 2016 wird für goldprämierte Biere ein DLG Geschmacksprofil erstellt.

(Story by Der Biersepp, BeerKeeper Master Level)

Nachstehend die Aussagen der DLG als Zitat (inklusive einer neuen Variante, wie man Craft-Bier definieren könnte …) :

„Internationale DLG-Qualitätsprüfung für Craft-Biere 2016

Bühne für Bier-Spezialisten – Trend-Produkte mit Qualität. In den letzten Jahren hat sich weltweit eine innovative Brau-Szene rund um das Thema Craft-Biere entwickelt. Hinter diesem Begriff steht eine Philosophie, deren Ziel es ist, durch kreativen Einsatz und Verarbeitung von Rohstoffen wie Hopfen oder Hefe Bierspezialitäten zu kreieren, die sich durch individuelle Geschmacksprofile und eine abwechslungsreiche Stilistik auszeichnen. Mit der neuen Qualitätsprüfung für Craft-Biere bietet die DLG diesem Brau-Trend eine aufmerksamkeitsstarke Plattform. Brauereien profitieren dabei von der anerkannten wissenschaftlichen Professionalität der Testmethode und der hohen Bekanntheit der DLG-Medaillen im Biermarkt.

Testkriterien:

• Sensorischer Expertentest
– Im Mittelpunkt steht die Charakteristik der Craft-Biere. Dazu wird eine Probe untersucht und bewertet.

• Laboranalysen
– Stammwürze
– Alkoholgehalt
– Scheinbarer Extrakt
– Vergärungsgrad
– Bierfarbe
– pH-Wert
– Biologische Haltbarkeit
– Bitterstoffbestimmung
• Deklarationsprüfung

Bierstile:

Ale
Amber Lager
Pale Ale & IPA
Dark Strong Ale
Strong Ale
Bockbier
Kellerbier
Lager
Pilsener (besondere Charakteristik angeben)
Porter & Stout
Rauchbier
Schwarzbier
Weizenbier
Grüngehopftes Bier
Triple
Trappistenbier
Sonstige Biere

Teilnahmebedingungen und Anmeldung:
Die zum Test eingereichten Biere müssen den Bestimmungen des Reinheitsgebots entsprechen.
Anmeldeschluss ist der 21. August 2015. Die Prüfgebühr beträgt 495,- Euro zzgl. MwSt.
Anmeldungen: DLG e.V., Testzentrum Lebensmittel, Hanna Schwarz, Tel: 069-24788-371, Fax: -115,
E-Mail: H.Schwarz@DLG.org oder unter www.DLG.org/craftbier