Der Maibock, ein starkes Tier

Feine Maiböcke in der KALEA Box

Der Maibock, ein starkes Tier, ist uns – kraftvoll, hell und hopfenfrisch – ein guter Gesellschafter bei der freudvollen Begrüßung der warmen Jahreszeit. Große Marken und Konzerne setzen zurzeit verstärkt auf alkoholfreie und sehr leichte Biere. Also können craftige Brauereien mit einem Maibock punkten. Speziell der hopfenfrische Charakter, der dem Maibock zugesprochen wird, lässt hoffen, dass wir schon in naher Zukunft mit spannenden Neukreationen dieses Bierstils rechnen dürfen. Ähnlich wie beim IPA. Dieser, ursprünglich britische Bierstil, hat über US-Brauereien, versehen mit neuen, hocharomatischen Hopfenakzenten, nach Europa zurück gefunden. Der Bierstil Maibock könnte denselben Weg nehmen.

Maibock bietet viel Potenzial – auch für kreative Brauer

Bei der Auswahl der Hopfensorten eröffnet sich kreativer Spielraum. Christian Bosch, der Bräu von Bosch Bierspezialitäten aus Bad Laasphe, zeigt schon seit einiger Zeit, wie gut sich eine feine Aromasorte im Maibock macht. Er verwendet Saphir für den Bosch Maibock, mit dieser relativ jungen Sorte wird das Bier im Lagertank zusätzlich noch einmal kaltgehopft. Der Bock läuft so gut, dass er 2015 bereits vor der Abfüllung restlos ausverkauft war, sogar die von Kunden vorbestellte Mengen mussten gekürzt werden.

Auch andere junge Hopfen-Züchtungen, wie Mandarina Bavaria (Mandarine), Citra (Zitrusfrische) oder Equinox (Grüner Paprika), sind in diesem Bierstil nicht tabu. Sie könnten sich gut mit dem vom Malz geprägten Bukett vertragen. Zumal talentierte Brauer aus Malzmischungen feine Fruchtnoten, wie beispielsweise Erinnerungen an Blutorange in ihr Bockbier zaubern können. In der Schüttung für einen Maibock könnten zusätzlich kleine Anteile an Röst- oder sogar Rauchmalz für spannende Akzente sorgen. Im Mai beginnt schließlich auch die Grillsaison. Ein zart rauchiger Maibock wäre eine feine Ergänzung zum Steak vom Holzkohlengrill.

Maibock, heller Bock und bockige Frühlingsfeste

In jüngeren Publikationen findet man die Bierstile „Heller Bock“ und „Maibock“ häufig zusammengefasst. Während Heller Bock eine ganzjährig verfügbare Sorte sein kann, sollte Maibock ein saisonaler Stil sein, der im Frühjahr (eben rund um den Mai) auf den Markt kommt und nur ein paar Wochen verfügbar ist. Eine akzentuierte Hopfennote, die „Frühlingsfrische“ suggeriert, sei dem Maibock ebenfalls eigen. Ein frühlingshaftes Saison-Starkbier, der Mai-Ur-Bock, kommt aus der Geburtsstadt der Bockbiere, aus dem Brauhaus Einbeck. Der untergärige Ketterer Maibock hat 25 Bittereinheiten, die ganz klassisch mittels der Hopfensorten Hallertauer Tradition und Tettnanger Aroma erzielt werden. 400 Hektoliter werden vom vielfach prämierten Bier hergestellt. Bei Ketterer Pforzheim ist er ab Mitte April erhältlich, die Fassware ist aber jedes Jahr lange vorher ausverkauft.

Andere Brauereien stellen Maiböcke für Frühlingsfeste her. Eines der größten Volksfeste, bei denen Bier eine Hauptrolle spielt, ist das Zillertaler Gauderfest. Das dafür eingebraute Bräu ist der Gauderbock, ein lupenreiner Maibock. Das Fest hat eine bald 600 Jahre währende Tradition, gehört zum Kulturleben Tirols und wurde von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Der Gauder Bock ist mit 7,8 Volumsprozent Alkohol recht muskulös. Er schmeckt schon als „Junger“ recht fein. Nachreife steht ihm jedoch besonders gut, man sollte sich daher nicht ausschließlich während des Festes an ihm laben, sondern auch ein paar Flaschen zurückstellen.

Ganzjährig – und Zeit als fünfter Rohstoff

Ein besonders guter heller Bock, der bislang als (weihnachtliches) Saisontier dahin galoppierte wird nun, der großen Nachfrage wegen, ganzjährig angeboten: „Teufelskerl“ von Raschhofer.

Zeit ist der „fünfte Rohstoff“ für craftiges Gebräu. So mancher Maibock wird bereits im Herbst des Vorjahres eingebraut. So reift beispielsweise der Zillertaler Gauder Bock lange acht Monate, der Schnaitl, der Ketterer und der Bosch Maibock dürfen rund drei Monate in Ruhe und bei rund Null Grad Celsius ausreifen. So entsteht feinste Gärkohlensäure, kann sich im Bier einbinden und die Aromen werden abgerundet.

Ober- oder Untergier?

Grundsätzlich gehören Maiböcke in die Familie der untergärigen Starkbiere. Der Innviertler Brauer Matthias Schnaitl schert aus dieser Tradition aus. Vor drei Jahren entschied er sich für eine Erweiterung seines Sortiments. Dabei ließ er Braumeister Alexander Pöllner völlige Freiheit, bei der Auswahl der Rohstoffe, der Rezeptur, bei Vergärung und Lagerung. Schnaitls Briefing lautete einfach: „Brau einen Geschmack für den Frühling!“ Pöllner entschied sich daraufhin, für den Schnaitl Maibock obergärige Weißbierhefe anzustellen und das fertige Bier nur leicht zu filtrieren.

Früher war der Maibock in unseren Breiten häufiger anzutreffen, inzwischen gehört er zu den bedrohten Arten. Aber die Craft Beer Bewegung, dem Wildlife-Fund artverwandt, wächst. So wie der Wolf langsam aber sicher die Alpen zurückerobert, wird das kontinuierliche Erstarken der Craft Beer Bewegung auch dazu führen, dass der Maibock bald wieder, versehen mit spannenden, kreativen Akzenten, in größerer Stückzahl unsere Festwiesen durchstreift.

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Was ist ein „MAIBOCK“

Die Lautkette „Maibock“ bezeichnet sowohl einen Bierstil als auch einen Rehbock, der in seinem zweiten Lebensjahr im Mai gejagt wird. In der Gastronomie wird auch der Braten vom „Schmalreh“, das ist ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, als Maibock angeboten.

Sprechen wir vom Bierstil, dann bezeichnet Maibock Bockbiere, die in der Zeit von April bis Juni verkauft werden. Ein Bockbier ist per Codex ein Starkbier mit einer Stammwürze von mindestens 16 Grad Plato.

Wie bei einem belebenden Frühlingswind sollten bei einem Maibock Frische und Würzigkeit im Vordergrund stehen. Ein ordentlicher Maibock kann daher durchaus hopfenbetont daherkommen. Sein Mundgefühl sollte sich durch feine, elegante Perlage auszeichnen. (Die kommt nur mit langer Lagerung in das Bier). Ein Maibock ist also per Definitionem ein „helles, weniger süßes, bevorzugt gehopftes Starkbier“.

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„A Bock“

Den Ursprung des Bockbiers ist eindeutig festzumachen, der Bierstil stammt aus der niedersächsischen Hansestadt Einbeck. Der Name der Stadt wurde später „abgeschliffen“: Der Münchener Volksmund machte aus dem Einbeckischen (früher: „Ainpöckischen“) schnell und einfach: „A Bock“.