A Whiter Shade Of Ale

Ein Liedtext sorgt seit 48 Jahren für Diskussionsstoff. Die Gespräche über India Pale Ale haben hingegen erst vor wenigen Jahren begonnen, zumal im deutschen Sprachraum. Das BeerKeeper Online Magazin liefert einen, durchaus stoffigen, Beitrag. 

Aus aktuellem Anlass bringen wir hier diese Story aus dem April 2014. 

Wer hätte sich 1967 gedacht, dass das Lied von Procol Harum, „A Whiter Shade Of Pale“ ein Dauerbrenner werden würde? Wo doch der Text so geheimnisvoll ist. Seine Deutungen reichen von „Im Drogenrausch geschrieben“ bis zu „Hochfeinem Surrealismus“. Der Autor der Lyrics hat sich jedoch (was für eine gute Entscheidung!) nie dazu hergegeben, den Text zu erklären – und damit zu entmystifizieren. BeerKeeper bringt Gedanken zu in Deutschland in jüngerer Zeit gebrauten Ales auf der Basis einiger Zeilen aus dem Song.

You skipped the light fandango.

Lassen wir das Leichte gleich links liegen. Sei es ein Tanz mit „ihr“ – oder der Tanz der Aromen auf der Zunge. Das ist durchaus in der Tradition von India Pale Ale! (India – ohne „n“!!!). Die wollten damals– also echt! – dass man den köstlichen Stoff verdünnt! (Achtung: Legende? Oder doch nicht? Wir gestehen – wir waren nicht live dabei). Also gehen wir es biertechnisch ernsthaft an und nehmen uns ein IPA zur Brust.

One of sixteen vestal virgins.

Da hat der Lyriker übertrieben. Es gab ja nur sechs (höchstens sieben) Vestalische Jungfrauen. Aber vielleicht hat er Verstärkung geholt, weil es mit dem Aufkommen der Pale Ales mehr zu tun gab, als nur das „Holen des Wassers aus der heiligen Quelle der Nymphe Egeria“. Das war eh nur zum Tempelreinigen. Dazu sind auch die schwächsten Exemplare viel zu gut – auch wenn einige von ihnen leider alles andere als „Ales“ sind. Zumindest nach der Vorstellung, die wir von einem Ale haben.

The waiter brought a tray.

Ohnehin die bessere Idee, gleich ein ganzes Tablett! So wie wir es vor uns hatten, als wir zur heiligen Handlung der Verkostung schritten. Leider war da, wie schon angedeutet, Einiges dabei, das wir beim besten Willen nicht in die Bierstile Pale Ale und IPA einordnen konnten. Zum Teil sehr gute Biere – aber halt out of style. Also haben wir sie nur beschrieben und nicht bewertet.

As the ceiling flew away.

Da flog uns glatt das Blech weg, als wir von die Bier vom Schwendl-Done, von Thomas Wachno und von Robert Schlagbauer probiert hatten. „Platin“ war unsere Antwort.

The crowd called out for more.

Kein Wunder. Es werden immer mehr IPA’s und Ales (auch in anderer Couleur – als Red, Brown, oder Amber Ale). Nur zu!

And although my eyes were open – they might have just as well’ve been closed.

Wenn Biere so gut sind, wie dievon uns ausgezeichneten, dann lohnt es sich, sie mit geschlossenen Augen zu genießen. Auch wenn diese offen sind. Zum Wohl.

Kategoriebeschreibungen nach European Beer Star

English‐Style Pale Ale
  • Farbe: gold‐ bis kupferfarben.
  • Hopfenbittere, ‐geschmack und ‐geruch: mittel bis hoch, aber nicht zu dominant
  • Verwendung von englischen oder amerikanischen Hopfensorten
  • Körper: mittel
  • Malzgeschmack und ‐geruch: gering bis mittel, ein geringer Karamellcharakter ist zulässig
  • Geringe bis stark fruchtige Esternoten
  • Kältetrübung bei niedriger Serviertemperatur
  • Sehr geringe Mengen an Diacetyl (Butter‐Whisky‐Charakter) sind zulässig und typisch

Analytik:

  • Stammwürze: 11,0 ‐ 14,0 °Plato
  • Extrakt scheinbar: 2,0 ‐ 4,0 °Plato
  • Alkohol: 3,5 ‐ 4,2 Gew.%, 4,5 ‐ 5,5 Vol.%
  • Bittere: 20 ‐ 42 IBU
India Pale Ale (IPA)
  • Farbe: hell gold‐ bis dunkel kupferfarben
  • Intensive Hopfenbittere und hoher Alkoholgehalt
  • Verwendung von englischen oder amerikanischen Hopfensorten, hohe Hopfengabe
  • Verwendung von Wasser mit hohem Mineralgehalt
  • Volles, blumiges bis starkes Hopfenaroma
  • Malzcharakter und Vollmundigkeit: mittel
  • Mittlere bis sehr starke fruchtige Esternoten
  • Kältetrübung bei niedriger Serviertemperatur

Analytik:

  • Stammwürze: 12,0 ‐ 17,0 °Plato
  • Extrakt scheinbar: 3,0 ‐ 4,5 ° Plato
  • Alkohol: < 6,0 Gew%, < 7,5 Vol%
  • Bittere: > 40 IBU

Das Tasting (1. HJ 2014). Verkostungsleituung und Kostnotizen: Birgit Rieber

Pale Ale – IPA

Die Verkostung fand am 17. März 2014 in der Braugaststätte der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf in Oberfranken statt. Verkostet haben die Biersommelieres Daniela Hartl, Hubert Unterweger, Michael Schmidt (Chefredakteur des Magazins Brauwelt), Harald Schieder und Ralph Forster. Die Verkostung wurde von BeerKeeper Redakteurin Birgit Rieber organisiert und geleitet.

5 Gläser – PLATIN

Brauerei: Weißbräu Schwendl
Bier: Don HaMilia IPA
Braumeister: Done Schwendl
Bierstil: weißes IPA
Alkohol: 6,3 Vol. %

Helles Bernstein, hellbraun, etwas grober Schaum. Im Duft Zitronenmelisse, Mandarine, Grapefruit, reife Melone, Marille und Pfirsich. Ein wenig Holunder. Die Hopfennoten sind elegant und schön durchflochten. Sanfte Rezenz. Fruchtiger, vollmundiger Körper. Gewürznelke, direkt danach die Hopfenbittere, wieder mit feiner Eleganz. Hopfenbittere und Körper stehen in schöner Harmonie zueinander.

Die VerkosterInnen hätten sich ein bisschen mehr Bittere gewünscht, hatten aber ihre helle Freude an diesem Bier.

Brauerei: Höffner Bräu; „Hopfenstopfer“
Bier: Comet IPA
Braumeister: Thomas Wachno
Bierstil: IPA
Alkohol: 6,5 Vol %

Kräftiges Goldgelb mit hellem Schaum. Sehr deutliche Hopfennote nach der Schale der Blutorange, Honigmelone und Marille. Erinnerungen an parfümierten südfranzösischen Honig werden wach. Auch der schöne, cremige Antrunk bringt fruchtige Mandarine- und Orangennoten zu Tage, dezente Zitrusfrische, Löwenzahn. Im Hintergrund ein leichter Röstton. Die leichte Alkoholnote umrahmt das fruchtige Hopfenbild gekonnt.

Anspruchsvoll. Ein IPA für Fortgeschrittene und Kenner.

Brauerei: Distelhäuser Brauerei
Bier: Lucky Hop
Braumeister: Robert Schlagbauer
Bierstil: IPA
Alkohol: 7,7 Vol%

Kupfer, orangebraun mit roten Reflexen und schöner feiner Trübung und festem Schaum. Sehr präzise. Frische Kräuteraromen in der ersten Nase. Honig mit etwas Pfeffer, Muskat und Kardamom. Maracuja, Mango und ganz frisches Kiefernharz (einfach wie im Wald). Am Gaumen anspruchsvoll mit cremiger Stoffigkeit. Der Körper wird von den Hopfennoten umrahmt. Das lang anhaltende Aroma bleibt spannend und bringt um Nachtrunk spät schöne Bitterschokoladenoten zum Vorschein.

Ein „Hopfenhammer“ mit süßlichen Komponenten, sehr komplex.

4 Gläser – GOLD

Brauerei: Schlossbrauerei Au Hallertau
Bier: Hopfull
Braumeister: Stefan Ebensperger
Bierstil: IPA
Alkohol: 6,9 Vol.%

Rötliches Bernstein, gleichmäßige Trübung, cremiger, mittelporiger Schaum, stabil.
Leichte Birne, Muskat und Gewürznelke. Alkoholisch. Der Antrunk ist eher zurückhaltend, jedoch angenehm am Gaumen. Pfeffrige Schärfe. Durchgehende Hopfenbittere mit Zitrus-, dezenten Karamellnoten und leichter Säure. Die Hopfenbittere ist wenig differenziert, jedoch von guter Länge.

Schönes Ale, das die VerkosterInnen in der IPA-Klasse reihten. Mit einer etwas zu kräftigen Alkoholnote.

Brauerei: Maxbrauerei
Bier: India Pale Ale
Braumeister: Max Sedlmeier
Bierstil: IPA
Alkohol: 6,5 Vol %

Heller Bernstein mit etwas orange. Sehr stabiler, schöner Schaum. Hübsche Hopfennote mit etwas grünem Pfeffer und ein wenig brotigen Tönen. Melone und etwas Marzipan, Bittermandel. Sahniger Eindruck (Toffee). Fein parfümierte Fruchtsüße. Pfirsich-Melba. Bittere und Süße sind sehr ausgewogen und präzise.

Ideales „Einsteiger“- IPA, für Leute, die mit dem Stil noch nicht so vertraut sind.

Brauerei: Camba Bavaria
Bier: German IPA
Braumeister: Markus Lohner
Bierstil: IPA
Alkohol: 6,5 Vol %

Schönes, strahlendes Orange, opaleszent, attraktiver Schaum. Sehr fruchtig: Intensives Hopfenbukett mit Mandarine- und Pomelo-Noten. Feiner Antrunk, cremig. Fruchtiger Körper, der den Hopfen gut zur Geltung bringt. Blutorange, etwas Honigmelone und Pfirsich, ein Hauch von Röstkaffee.

Die Bittere bleibt lange. Sie scheint sich langsam und heiter „davon zu schleichen“

Brauerei: Camba Bavaria
Bier: Ei Pi Ei 
Braumeister: Markus Lohner
Bierstil: IPA
Alkohol: 8,0 Vol%

Dunkler Bernstein, mit festem Schaum. Honigmelone, süße exotische Früchte, Pfirsich und kandierte Orangenschale und eine leichte Röstnote. Guter Antrunk. Im Vordergrund stehen Anklänge an süße Früchte. Der Hopfen liegt zunächst etwas dahinter. Dann ringen die beiden miteinander um die Dominanz. Das Hopfenaroma ist präzise. Es erinnert an Bitterorange und frische Kräuter.

Insgesamt hätten sich die Verkoster noch mehr Hopfen gewünscht – aber das mag ja das „German“ am IPA sein.

Brauerei: Hochdorfer Kronenbrauerei
Bier: Meistersud India Pale Ale
Braumeisterin: Katharina Haizmann
Bierstil: IPA
Alkohol: 8,2 Vol%

Dunkler Bernstein, mittlere Trübung. Blütenduft – von der Rose bis zur Pfingstrose. Etwas weißer Pfeffer, Blutorange und ein Hauch Türkischer Honig. Dann kommen die Ananaserdbeeren von Wimbledon zum Vorschein. Rezenter Antrunk, mittelkräftiger Körper – Ananasbruch (da ist jetzt die gelbe in der Schoko). Den langen Nachhall beschließt ein hopfiger Akkord, der einen körperreichen Kontrapunkt zu Gedanken an Moccaschokolade bildet.

Edles Gewächs, das ganz gewiss bei Damen gut ankommt.

3 Gläser – SILBER

Brauerei: Biermanufaktur Riegele
Bier: Simco 3
Braumeister: Frank Müller
Bierstil: Pale Ale
Alkohol: 5.0 Vol %

Schöner honiggelber Bernstein, gleichmäßige Trübung, heller, dichter Schaum. Attraktive Hopfennote, süße Frucht, Zitrus, Orangenschale, Pfirsich und rosa Grapefruit, ein bisschen Kräuter. Schlank. Ansteigende Hopfenbittere, die sich dann wieder zurückzieht. Ziemlich aromatisch. Leichte Schärfe. Orangenschale, grüner Apfel und etwas Ingwer. Kräftiger, langer Nachtrunk. Insgesamt bleibt das Bier in Trunk und Körper etwas hinter den Erwartungen, die der Duft mit sich bringt zurück.

Die VerkosterInnen haben dieses Bier dem Pale Ale zugeordnet. Bei Bierdeluxe.de wird es unter IPA geführt.
Brauerei: Pyraser Landbrauerei
Bier: Pyraser Herzblut Imperial Pale Ale Jahrgangsbier
Braumeister: Helmut Sauerhammer
Bierstil: IPA
Alkohol: 8,2 Vol%

Orange mit gleichmäßiger Trübung, heller Schaum. Im Duft süßfruchtig mit Erinnerungen an Maracuja, Honigmelone. Feine Rezenz. Vollmundig. Zur Überraschung finden sich jetzt rote Früchte, etwas Vanille, Schokolade und Holz. Die Feigen und Datteln lassen uns an ein älteres Bier denken. Hopfenaroma und Bittere sind etwas zu dezent. Insgesamt aber interessant und fein.

Die Bewertung „SILBER“ wurde unter der Angabe „IPA“ und mit Blick auf den Alkoholwert durchgeführt. Ohne diese Kenntnisse (und als Pale Ale) verkostet hätten ihm die VerkosterInnen GOLD oder gar PLATIN zugemessen. Eine schwierige Entscheidung.

2 Gläser – BRONZE

Brauerei: Kraftbräu Trier
Bier: Seb’s Pale Ale
Braumeister: Enrico Baesso
Bierstil: Pale Ale
Alkohol: 5,3 Vol.%

Heller Bernstein, leichte Trübung, etwas grobporiger Schaum. Im Duft grüner Hopfen gefolgt von dezenten Zitrus- und Orangenoten. Wirkt verschlossen, wenig Aroma. Der Antrunk ist ruhig und cremig. Türkischer Honig, malzig und etwas zu süßlich mit einer etwas brotigen Hefenote. Der Nachtrunk ist geprägt von grünen Hopfennoten, grasig. Bleibt etwas zu lange auf der Zunge liegen.

OUT OF STYLE?

Die folgenden Biere wurden verkostet und beschrieben aber nicht bewertet. Das Kollegium war der Überzeugung, dass es sich bei diesen Bieren um Gewächse handelt, die nicht in die klassische Definition (nach dem European Beer Star) von IPA oder Pale Ale fallen und dort ausgelistet worden wären. Bitte machen Sie sich anhand der Beschreibungen ein Bild. Diese Entscheidung wurde getroffen, weil sich KonsumentInnen angesichts der Etikette IPA oder Pale Ale Sorten-Klassiker erwarten dürfen.

Brauerei: Regensburger Spitalbrauerei
Bier: Pale Ale
Alkohol: 6,5 Vol%

Dunkler Bernstein mit dichter Trübung, cremefarbener Schaum. Der Duft nach reifer Banane und Gewürznelke lässt an einen Weizenbock denken. Cremig, buttrig. Leichte Säure. Schwache Rezenz, süß. Auch im Geschmack deutliche Bananennoten. Süßlich auch im Nachtrunk. Eine bleibende Bittere, die allerdings neben der Süße steht und sich wenig anbinden kann.

Brauerei: Brauerei Schlössle
Bier: India Pale Ale
Braumeister:
Alkohol: 5.4 Vol%

Dunkler Bernstein mit schönem Rotton. Grobporiger Schaum, jedoch lange haltend. Schwefel in der ersten Nase. (Für das Kost-Team eher ein Zeichen von Frische!) Frische Maische, gelbe Grapefruitschale. Etwas metallisch. Prickelt spitz auf der Zungenspitze, zu grobe Textur. Sehr schlank, wir vermissen die Opulenz. Hinter dem ersten Eindruck findet sich eine fruchtige Frische mit ganz leichten Röstnoten. Der Bittere – sie ist vorhanden – fehlt das Aroma.
Brauerei: Müllerbräu Pfaffenhofen
Bier: Red Nax Imperial Pale Ale
Alkohol: 7,0 Vol %

Dunkler Bernstein, glanzfein mit feinem Schaum. Karamell und dunkle Honignoten. Buttrig. Erinnert an Met. Malzbonbon mit Noten von Vanille und Holz. Dazu frische Kräuter. Sehr süß. Wir vermissen den Hopfen. Aufgrund der starken Malzbetonung können wir es nicht als IPA identifizieren.

Brauerei: Westerwald Brauerei H. Schneider
Bier: Hachenburger Selektion No. 01
Alkohol: 7,2 Vol%

Sehr dunkles Bernstein mit roten Reflexen, feine Trübung. Heller, sehr feiner Schaum. Karamell, Röstnoten, dunkler Honig, Backpflaumen und Feigen. Schwer und wuchtig, etwas alkoholisch. Schokolade, Kandiszucker und Rumtopffrüchte. Wo ist der Hopfen?

Wir finden das Bier sehr interessant und auch gut. Leider halten wir es nicht für ein IPA. Dazu ist es zu malzbetont. Wir wissen nicht, wann das Bier eingebraut wurde und können uns auch vorstellen, dass es schon Alterungsmerkmale hat? Vielleicht würde eine frische Füllung zu einer anderen Beurteilung führen.

Brauerei: Kraft Bräu Trier
Bier: Edition K 1.0 India Pale Ale
Alkohol: 7,7 Vol%

Dunkler Bernstein, gleichmäßige Trübung, satt cremefarbener Schaum. Frische Hopfennase, zitrusfrisch und ein bisschen buttrig. Sehr malzig mit süßliche Toffee Noten, zu wenig Bittere. Die Süße bleibt lange und wirkt klebrig. Auch bei diesem Bier sind wir uns nicht sicher, ob es Alterungsmerkmale zeigt. Wir können es nicht als IPA klassifizieren.